Werte und Normen

Ethikunterricht am Otto-Hahn-Gymnasium Springe

Werte und Normen: Einige Grundsatzbemerkungen

Werte und Normen geben dem handelnden Menschen Orientierungshilfen bei der Suche nach dem guten Leben.Diesem Ziel dient auch das Unterrichtsfach „Werte und Normen“.

Werte werden von Menschen Objekten zugeschrieben, derer sie bedürfen. Der Besitz materieller Werte (wie Wasser, Arbeitsplatz, Werkzeug, Brot, Gesundheit) begründet Wohlstand; die Erfahrung ideeller Werte (wie Freiheit, Gerechtigkeit, Geborgenheit, Schönheit,
Ansehen) ermöglicht geistig-seelisches Wohlbefinden.

Normen sind Imperative,die den Menschen zu bestimmten Handlungen bzw. Unterlassungen auffordern. Sie begegnen uns als technische Regeln, Gesetze und gesellschaftliche Konventionen. Von besonderer Bedeutung sind die moralischen Normen, da sie mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhoben werden: Wir alle können von jedem Menschen fordern, sie einzuhalten; so wie auch jedem Menschen im Kern klar ist, was gut und was böse ist. „Hab Ehrfurcht vor dem Leben! Handle gerecht und fair! Rede und handle wahrhaftig! Achtet und liebet einander!“, so lauten die vier unverrückbaren Weisungen der Erklärung zum Weltethos des „Parlamentes der Weltreligionen“ von 1993 aus Chicago.

Maßstäbe für moralische Normen bieten beispielsweise die Imperative von Immanuel Kant: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde!“, von Arthur Schopenhauer: „Verletze niemanden, vielmehr hilf allen, soweit du kannst!“ oder die Goldene Regel, die ethische Universale der Religionen: „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“ Oder positiv: „Was du willst, dass man dir tut, das tue auch den anderen!“

Tugenden sind Lebenshaltungen, die das moralisch Gute mit freudiger Hingabe und geübtem Können anstreben. In ihren jeweils individuellen Ausformungen zeigt sich der Charakter einer „Persönlichkeit“. Ihre Entwicklung macht den staatlichen Bildungsauftrag aus –
vgl. § 2 NSchG. Bildung meint Charakter-Bildung – in allen Schulfächern in jeder Schulstunde. Gelegenheit zur Übung der Tugenden ist das soziale Lernen in den je besonderen „inhalts- bzw. prozessbezogenen Kompetenzbereichen“ der Fächer. (Später in der Ausbildung werden diese zu beruflichen Fach-Kompetenzen vervollkommnet.) Tugend könnte man auch als „moralische Kompetenz“ (von lat. competere = kräftig sein) – „moralisches Kräftigsein“ – bezeichnen. Die Reflexion über Sinn und Zweck ihrer Differenzierung zu einzelnen Tugenden ist Aufgabe des schulischen Ethikunterrichtes.

Der Unterricht im Fach „Werte und Normen“ zielt also primär nicht auf Diskussionen von verschiedenen Wert- oder Normvorstellungen, sondern auf eine Diskussion über die Rangfolge  bzw. Wichtigkeit der verschiedenen  Tugenden in der  abendländischen Tradition, auf die § 2 NSchG verweist. Daraus ergibt sich, dass im ethischen Fachunterricht die Kardinaltugenden (Haupttugenden) unserer Kultur eine hervorragende Rolle spielen müssen: Klugheit, Gerechtigkeit (Fairness), Mut und Besonnenheit aus der griechisch-römischen Wurzel und die Nächstenliebe bzw. Barmherzigkeit aus der jüdisch-christlichen Wurzel Europas.

Die Aufzählung der folgenden 80 Begriffe, die für Tugenden gehalten werden, erfolgt in alphabethischer Reihenfolge; das soll dazu anregen, eigene Klassifizierungen und Ordnungen zu suchen:

Achtsamkeit, Anständigkeit, Aufmerksamkeit, Aufrichtigkeit, Ausdauer, Barmherzigkeit, Bescheidenheit, Besonnenheit, Beständigkeit, Dankbarkeit, Demut,Disziplin, Duldsamkeit, Echtheit, Ehrfurcht, Ehrlichkeit, Entschlossenheit,Fairness, Fleiß, Flexibilität, Freundlichkeit, Friedfertigkeit,Frömmigkeit, Geduld, Gehorsam, Gelassenheit, Gerechtigkeit, Gewissenhaftigkeit,Glaube, Großmut, Güte, Hilfsbereitschaft, Hingabe,Höflichkeit, Hoffnung, Keuschheit, Klugheit, Kreativität, Lebendigkeit, Loyalität, Mäßigung, Menschlichkeit, Mitgefühl, Mitleid, Mut, Nächstenliebe, Objektivität, Offenheit, Opferbereitschaft,Ordnungsliebe, Pünktlichkeit, Pflichtbewusstsein, Rechtschaffenheit,Redlichkeit, Reinlichkeit, Ritterlichkeit, Ruhe, Sachlichkeit, Sauberkeit, Schweigen, Selbstbeherrschung, Selbstlosigkeit, Sparsamkeit, Solidarität, Standhaftigkeit, Taktgefühl, Tapferkeit, Tatkraft,Toleranz, Treue, Vernunft, Verschwiegenheit, Versöhnung, Vertrauen, Wachsamkeit, Wahrhaftigkeit, Wärme, Weisheit, Zurückhaltung, Zuverlässigkeit

Der Bedeutungsinhalt der Tugenden hat sich im Laufe der Geschichte nicht geändert, er ist im Ethikunterricht für jede Tugend genau zu klären. Dazu ist auch der Blick auf ihr jeweiliges Gegenteil, das Laster, nützlich. Die Gründe für die Veränderungen des Stellenwerts (z.B. der Keuschheit) im historischen Wandel der Lebensverhältnisse können ergründet werden. Doch im Kern geht es um die Einsicht, dass
tugendhaftes Verhalten Freude bereitet.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ (E.K.)

Werte und Normen: Unser Schulcurriculum der Jahrgänge 5 - 10

(1) Inhaltsbezogene Kompetenzbereiche
Die Schülerinnen und Schüler sollen aus Erörterungen der „Fragen nach dem Ich“, „nach der Zukunft“, „nach Moral und Ethik“, „nach der Wirklichkeit“ und „nach Religionen und Weltanschauungen“ Kenntnisse über eine umfangreiche Zahl von Tugenden gewinnen.
Sie sollen in der Lage sein, diese Tugendbegriffe richtig anzuwenden. Das gleiche gilt für die vorgegebenen sachlichen Grundbegriffe.

Die Leitthemen jedes Fragenbereiches sollen in jedem Doppeljahrgang in der Reihenfolge behandelt werden,wie sie im allgemeinen Kerncurriculum vorgestellt werden. Die konkrete Ausgestaltung ist jedem Kollegen überlassen.

(2) Prozessbezogene Kompetenzbereiche

Die Schülerinnen und Schüler sollen eigenständige ethische Urteilsfähigkeit entwickeln. Dazu gehört es,

(a) Probleme wahrzunehmen und zu beschreiben sowie sie präzise in Fragen zu fassen,

(b) Zusammenhänge zu verstehen und zu reflektieren sowie Hypothesen zu entwerfen,

(c) Urteile zu fällen in Diskussionen,indem Hypothesen kritisch zu prüfen sind.

 

Werte und Normen: Unser Schulcurriculum der Jahrgänge 11 und 12

(1) Inhaltsbezogene Kompetenzbereiche

Im 1. Halbjahr des Jahrganges 11 ist der Themenbereich "Die Frage nach dem Menschen" zu behandeln,

im 2. Halbjahr der Themenbereich "Die Frage nach dem richtigen Handeln".

Im 1. Halbjahr des Jahrganges 12 ist der Themenbereich "Die Frage nach der Wahrheit" zu behandeln,

im 2. Halbjahr der Themenbereich "Die Frage nach der richtigen Ordnung".

(2) Prozessbezogene Kompetenzbereiche

Es gilt die selben Kompetenzen zu üben wie in den Jahrgängen 5 bis 10.

 

Beschlossen auf der Fachkonferenz am 2. November 2009

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