kath. Religion
Der Katholische Religionsunterricht – Grundlagen, Ziele, Kompetenzen
Grundlegung:
Der Religionsunterricht stellt die Grundlage und Lehre der jeweiligen Religionsgemeinschaft dar; er vermittelt Einsichten in Sinn- und Wertfragen des Lebens, ermöglicht die Auseinandersetzung mit Ideologien, Weltanschauungen und anderen, fremden Religionen und motiviert zu verantwortlichem Handeln in der Gesellschaft.
Ziele:
Ziel des katholischen Religionsunterrichts ist es, zu verantwortlichem Denken und Verhalten im Hinblick auf Religion und Glaube zu befähigen. Damit trägt er zur Identitätsbildung und zur Entwicklung von Dialogfähigkeit bei.
Der katholische Religionsunterricht befähigt dazu,
- religiöse Phänomene methodisch kompetent zu erschließen
- menschliche Grunderfahrungen in ihrer Offenheit auf Gott hin zu reflektieren und zu deuten
- ein vertieftes Verständnis des Glaubens zu erwerben und sich in der Vielfalt heutiger Denk- und Glaubensrichtungen zu orientieren
- mit anderen christlichen Konfessionen und fremden Religionen und Weltanschauungen in einen Dialog zu treten, Differenzen zu erkennen und einen reflektierten Umgang mit ihnen zu lernen sowie neue Einsichten zu gewinnen
- durch eine kritische Sichtung weltanschaulicher, religiöser und christlicher Werte und Normen zu begründeten persönlichen Entscheidungen bzw. zum Bekenntnis und entsprechender Lebensgestaltung zu gelangen.
Eine zentrale Aufgabe des katholischen Religionsunterrichts ist – gerade unter den Bedingungen religiöser und weltanschaulicher Pluralität – die Förderung von Urteils- und Argumentationsfähigkeit in religiösen Fragen.
Der katholische Religionsunterricht vermittelt:
- fundamentales Glaubenswissen und theologisches Grundwissen
- Methodenwissen (u. a. hermeneutische und empirische Verfahrensweisen, Methoden der Schriftauslegung, religiöse Sprache und Sprache der Theologie)
- erschließt den Glauben im Dialog mit den Erfahrungen und Fragen der Schülerinnen und Schüler, mit dem Wissen und den Erkenntnissen anderer Fächer, mit den gegenwärtigen Fragen der Lebens- und Weltgestaltung und mit den Positionen anderer Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen. Die dialogische Erschließung erfordert von allen am Unterrichtsgeschehen Beteiligten die Bereitschaft und Fähigkeit, die eigene Perspektive als begrenzte zu erkennen, aus der Perspektive anderer sehen zu lernen und neue Perspektiven dazu zu gewinnen. Perspektivenübernahme ist ein didaktisches Grundprinzip des Religionsunterrichts und eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung religiöser Dialogfähigkeit
- fördert die religiöse Dialog- und Urteilsfähigkeit und die Entwicklung einer „starken Toleranz“, die andere mit ihren Überzeugungen ernst nimmt.
Damit ist das Fach Katholische Religionslehre von wesentlicher Bedeutung für eine vertiefte Allgemeinbildung, für die Studierfähigkeit und die Entfaltung der Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler.
(Vgl. EPA Kath. Religionslehre in der von Kirche und Staat genehmigten Fassung (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 1.12.1989 i. d. F. vom 16.11.2006))
Kompetenzen
Die Schülerinnen und Schüler eignen sich gemäß den Vorgaben des Landes Niedersachsen im katholischen Religionsunterricht Wissen, Fähigkeiten, Einstellungen und Haltungen an, die für einen verantwortlichen Umgang mit dem christlichen Glauben, mit anderen Religionen und Weltanschauungen und mit der eigenen Religiosität notwendig sind. Dieser selbst-, kommunikations-, sozial-, interkulturell- und lernkompetenzorientierte Religionsunterricht umfasst, unterstützt von der Methoden- und Medienkompetenz, auch die religiöse, ethische und theologische Kompetenz. Besonderer Wert wird auf die prozess- und inhaltsbezogenen Kompetenzen gelegt:
Prozessbezogene Kompetenzen
Wahrnehmungs- und Darstellungskompetenz – religiös bedeutsame Phänomene wahrnehmen und beschreiben:
• Situationen erfassen, in denen letzte Fragen nach Grund, Sinn, Ziel und Verantwortung des Lebens aufbrechen religiöse Spuren und Dimensionen in der Lebenswelt entdecken
• religiöse Ausdrucksformen (Symbole, Riten, Mythen, Räume, Zeiten) wahrnehmen und in verschiedenen Kontexten wieder erkennen und einordnen
• ethische Herausforderungen in der individuellen Lebensgeschichte sowie in unterschiedlichen gesellschaftlichen Handlungsfeldern wie Kultur, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft als religiös bedeutsame Entscheidungssituationen erkennen.
Deutungskompetenz – religiös bedeutsame Sprache und Zeugnisse verstehen und deuten:
- in Lebenszeugnissen und ästhetischen Ausdrucksformen (Literatur, Bildern, Musik, Werbung, Filmen) Antwortversuche auf menschliche Grundfragen entdecken und fachsprachlich korrekt darstellen
- religiöse Sprachformen analysieren und als Ausdruck existentieller Erfahrungen deuten
- biblische, lehramtliche, theologische und andere Zeugnisse christlichen Glaubens methodisch angemessen erschließen
- Glaubensaussagen in Beziehung zum eigenen Leben und zur gesellschaftlichen Wirklichkeit setzen und ihre Bedeutung aufweisen.
Urteilskompetenz – in religiösen und ethischen Fragen begründet urteilen:
- Sach- und Werturteile unterscheiden
- Ansätze und Formen theologischer Argumentation vergleichen und bewerten
- Modelle ethischer Urteilsbildung kritisch beurteilen und beispielhaft anwenden
- Antinomien sittlichen Handelns wahrnehmen, im Kontext der eigenen Biografie reflektieren und in Beziehung zu kirchlichem Glauben und Leben setzen
- Gemeinsamkeiten von Konfessionen und Religionen sowie deren Unterschiede darstellen und aus der Perspektive des katholischen Glaubens bewerten
- im Kontext der Pluralität einen eigenen Standpunkt zu religiösen und ethischen Fragen einnehmen und argumentativ vertreten.
Dialogkompetenz – am religiösen Dialog argumentierend teilnehmen:
- die Perspektive eines anderen einnehmen und dadurch die eigene Perspektive erweitern
- Gemeinsamkeiten und Unterschiede von religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen benennen und im Dialog argumentativ verwenden
- sich aus der Perspektive des katholischen Glaubens mit anderen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen argumentativ auseinandersetzen
- Kriterien für einen konstruktiven Dialog entwickeln und in dialogischen Situationen berücksichtigen.
Gestaltungskompetenz – religiös bedeutsame Ausdrucks- und Gestaltungsformen reflektiert verwenden:
- typische Sprachformen der Bibel theologisch reflektiert transformieren
- Aspekten des christlichen Glaubens in textbezogenen Formen kreativ Ausdruck verleihen
- die Präsentation des eigenen Standpunkts und anderer Positionen medial und adressatenbezogen aufbereiten
- im Gespräch Beiträge anderer aufgreifen, den jeweiligen Gedankengang sachgemäß in theologischer Fachsprache entwickeln und angemessen darstellen
- über Fragen nach Sinn und Transzendenz angemessen sprechen.
Inhaltsbezogene Kompetenzen – die Leitthemen für die Jahrgänge 5-10
Da der Religionsunterricht in den Klassenstufen 5 und 6 als gemeinsamer Klassenunterricht stattfindet, haben sich die beiden Fachkonferenzen evangelische und katholische Religion auf ein gemeinsames Kerncurriculum (KC) für diese beiden Klassenstufen verständigt. (s. KC für ev. Religion)
| Jahrgangs- stufen |
Anthropologie (Mensch) |
Christologie (Jesus Christus) |
Theologie (Gott) |
Ekklesiolo-gie (Kirche) |
Ethik (Moral) |
Religionen im Dialog |
| 7 |
Auf der Suche nach der eigenen Identität; Stars, Idole, Vorbilder |
Entstehung der Evangelien Aspekte der Frohbotschaft Jesu |
Ein Glaube, viele Kirchen |
Verantwortlich Handeln |
Judentum | |
| 8 | Derzeit findet in dieser Klassenstufe kein Religionsunterricht statt. | |||||
| 9 | Gewissen |
Gottesglaube Zweifel an der Existenz Gottes Schöpfung |
Kirche in Staat und Gesellschaft | Ethische Konflikte im Kontext des 5. Gebotes | Asiatische Hochreligionen |
|
| 10 | Wirklichkeitserfahrung; Erkenntnis-(theorien) | Frage nach dem Sinn des Lebens | Funktionen der Religion |
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